Chor on a mission

Barnstorfer Wald. Ich sitze eine Zollstocklänge von den Chormitglieder vor und neben mir entfernt auf meiner neuen Thermodecke. Es ist die 9. Probe des CELEBRATE Rock Pop Gospel Chors im Sommersemester 2020 und doch ist alles anders. Corona hat auch uns fest im Griff. Mit dem Shutdown ab März war für uns kein normaler Semesterstart mehr möglich. Doch wir wären nicht CELEBRATE, wenn uns das aufhalten könnte. Wir gründeten den „Chorona“ und wurden ein Chor-on-a-mission. Unsere Planungstreffen verlegten wir in die virtuelle Welt und beschlossen darin, dass wir zur Aufrechterhaltung der Gemeinschaft zunächst Online-Proben anbieten werden. Unsere Stimmgruppenleiter sowie unser – extra für die Proben geklonter – Chefdirigent Maddin haben insgesamt acht Online-Proben auf die Beine gestellt, in denen sie uns Lieder des letzten Semesters sowie „neue“ Lieder beigebracht haben. „Neu“ in Anführungszeichen, weil wir unser 20. Jubiläumsjahr haben und deswegen traditionell nur Lieder aus vergangenen Semestern singen.

Was hat das alles nun mit dem Barnstorfer Wald zu tun? Ganz einfach: Während der geklonte Maddin Online-Proben abhielt, hat sich auch unser anderer Chorleiter Christian on a mission begeben. Mit einem eigens erstellten Hygienekonzept für unsere Proben wandte er sich an das Gesundheitsamt sowie das Grünflächenamt Rostock. Mitte Juni kam die gute Nachricht: Unsere 9. Probe würde die erste sein, bei der wir wieder physisch zusammen singen könnten. So ganz analog halt. Im Barnstorfer Wald. Auf Decken. Mit einem Zollstock – damit wir auch wirklich die zwei Meter Abstand zueinander einhalten können. Hinzu kamen Abläufe, die man mittlerweile schon fast verinnerlicht hat: Mundschutz tragen, Gesundheitserklärung abgeben, Hände desinfizieren, aufs Knuddeln verzichten. Letzteres für die einen ein Fluch, für die anderen ein Segen. Gut vorbereitet und voll motiviert trafen wir alle nach und nach auf der schönen grünen Wiese ein. Etwas strange war es schon – nach sooo langer Zeit und mit Maske habe ich viele erst auf den zweiten Blick erkannt. Zum Glück durften wir auf der Decke die Masken abnehmen – das war erleuchtend.

Wir begannen mit einem sportlichen Einsingen und einer Umfrage: Wer hat an den Online-Proben teilgenommen? Das Ergebnis war gut durchmischt – von gar nicht bis Streber war alles dabei. Also sangen wir zunächst ein neues Lied, passender Weise „Sing a new Song“, recht schnell durch – und schau an, es klappte gut! Das hat zumindest die Chorleitung gesagt. In der letzten Reihe und mit zwei Meter Abstand nach links und rechts habe ich eigentlich nur fast mich singen gehört. Aber daran habe ich mich in den letzten acht Proben gewöhnt. Weiter machten wir mit „No one knows“ aus dem letzten Semester. Dies veranlasste dann doch den einen oder anderen Passanten sich etwas länger zu stretchen als nötig oder auf dem Spielplatz zu verweilen, bis selbst das Kind nicht mehr rutschen wollte, aber die von uns im Vorfeld befürchtete Menschenansammlung war weit und breit nicht zu sehen.

Mir hat die Probe auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich hoffe auf weiterhin gutes Wetter und viele schöne Outdoor-Proben. Nächstes Mal denke ich auch an meine Jacke, dafür vergesse ich dann sicher das Anti-Mückenspray. Irgendwas ist ja immer.

Vielen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die uns unsere gemeinsamen Proben ermöglicht haben!